Kerosin, Marketing & Lachsröllchen

12. Mai 2015,

Station Airport Düsseldorf

Die Flugzeuge waren zum Greifen nah. Dicht an der Startbahn 23, in der „Station Airport“ hat Thomas Schnalke, Chef des Düsseldorfer Flughafens, dem Marketing-Club Düsseldorf sein Airport-Marketing erklärt.
Die Clubmitglieder und zahlreiche Medienvertreter erlebten nicht nur eine einzigartige Location, die die Faszination Fliegen begreifbar macht, sondern auch einen beeindruckenden und tiefen Einblick in das Marketingkonzept einer der wichtigsten deutschen Luftverkehrsdrehscheiben.

Mit der provozierenden Frage, ob ein Airport Marketing überhaupt nötig habe, eröffnet Thomas Schnalke, Geschäftsführer des Flughafens Düsseldorf, seinen spannenden Vortrag vor dem Marketing-Club Düsseldorf. Schnalke: „Flugzeuge kommen oder kommen nicht – was kann man denn da überhaupt tun?“.

In seiner rhetorisch geschliffenen und umfassenden Darstellung des Marketing Mix am Airport Düsseldorf blätterte Schnalke in der Station Airport, mit Blick auf den Kopf der Startbahnen, auf, wie der Flughafen für seine drei unterschiedlichen Bereiche – Aviation, Non Aviation und Real Estate – erfolgreiches Marketing betreibt. Erfolgreich insofern, als unser Flughafen bei einem Umsatz von 425,6 Mio. Euro eine Rendite nach Steuern in Höhe von 42,9 Mio. Euro einfährt. „Eine zweistellige Rendite, das muss man erst mal hinkriegen“, sagt Schnalke selbstbewusst.

Selbstbewusstsein ist berechtigt: Düsseldorf Airport versammelt im Umkreis von 100 km nicht nur auch einige Millionen Niederländer und Belgier sondern insgesamt 18 Mio. Menschen. Schnalke: „Damit sind wir nach London und Paris der drittgrößte Ballungsraum in Europa“.

Niederländer zögen Düsseldorf nach seiner Beobachtung dem Airport Amsterdam als „bequemer“ vor. Die kommende Maut („Ich bin dagegen“) könne hier Einbrüche bringen.

Düsseldorf Airport sieht sich als Luftverkehrs-Drehscheibe, Business-Standort und attraktive Erlebniswelt. Entsprechend sind die Marketingmaßnahmen strukturiert.

In Bezug auf die Passagiere verfolge der Airport die Linie, „aus einer Prozesskette eine Wertschöpfungskette zu machen“. Die Passagiere, 40 % geschäftlich, 60 % privat reisend und zu Zweidrittel aus der Region kommend, müssen ihre Autos parken, können sich auf ein weitgefächertes und anspruchsvolles Restaurantangebot einlassen und in vier Duty Free Shops mit zusammen 3.000 qm ihrer Shoppinglust frönen.

Um auch Publikum aus der Stadt für Shopping in den Airport Arkaden und die Restaurantangebote zu attrahieren, legt sich der Airport mächtig ins Zeug. Modenschauen und Tanzwettbewerbe mit „Let’s Dance“-Stars, ja sogar ein Skispringen im Terminal bieten immer neue Anlässe, den Airport kennenzulernen, in dem Fall für einen Park-Schnäppchenpreis von fünf Euro, ganz zentral.

Während der Flughafen auf Messen international für den Aviation-Standort Düsseldorf die Werbetrommel rührt, wird mit dem Event-Marketing der Non Aviation-Sektor bedient, der für die Wertschöpfung des Flughafens von zentraler Bedeutung ist. Denn: Die Gebühren für den Flugverkehr sind genehmigungspflichtige Entgelte, hier bleibt kein Spielraum nach oben.

Der „am weitesten privatisierte Airport Deutschlands“, eine PPP-Company (Public Private Partnership) zu jeweils 50 %  Stadt und – mittlerweile – ein kanadischer Pensionsfonds, pflegt auch mit Erfolg sein drittes Standbein Real Estate. Nur noch 21512 qm Fläche sind in der Airport City, einem Werk des kürzlich verstorbenen Geschäftsführers Christoph Blume, verfügbar, 110.109 qm sind bereits verkauft. Viele namhafte Unternehmen setzen auf die verkehrsgünstige, attraktive Lage.

Das Parken ist ein bedeutendes Geschäftsfeld – mit 20.000 Stellplätzen für Autos von Passagieren und 2.700 für Mietwagen. Innovationen wie Carsharing-Angebot, automatisches Einparken per Roboter und Günstigangebote unter dem ausgelagerten und bei der IT-Tochter angesiedelten Produkt „Parkvogel“ bereichern das Angebot.

Zum Dauerthema Lärm gab Schnalke bekannt, der Airport habe 65 Mio. Euro in Lärmschutz investiert, weitere 30 Mio. Euro kämen noch hinzu.

Gleichfalls ein Dauerthema ist die Ablehnung des Airport durch Umlandgemeinden, die gleichwohl mit ihrer Flughafennähe werben. Hier sieht Schnalke keine wesentlichen Fortschritte.

Bei der Straffung der Gepäckauslieferung, so die Antwort auf eine Frage aus dem Publikum, sehe er die Notwendigkeit miteinander in Konkurrenz stehender Dienstleister und die Verhängung von Vertragsstrafen.

Im Bereich der Security-Abfertigung plane der Airport eine Steuerung mit elektronischen Anzeigen, die jeweils darauf hinweisen, bei welcher Sicherheitskontrolle der Stau am geringsten ausfällt. Schnalke: „Man kann zum Beispiel trotz des Abflugs bei A bei C durch die Sicherheitskontrolle gehen.“

Marketing-Club-Präsident Dirk Krüssenberg dankte dem Airport-Geschäftsführer für den brillanten Vortrag und verwöhnte ihn mit einem Heinemann-Präsent mit dem Schwerpunkt Marzipan, offensichtlich eine Schwäche Schnalkes. (osi)